12.08.2018

Heiß, heißer, Cranger Kirmes

3,9 Millionen Menschen werden die 583. Cranger Kirmes besucht haben, wenn das größte Volksfest in NRW am Sonntagabend langsam zu Ende geht.

Schausteller-Chef Albert Ritter: „Ein großes, friedliches Volksfest“

Die Cranger Kirmes 2018 hat ca. 3,9 Millionen Besucher angelockt – und damit etwa 100.000 mehr als im Jahr 2017. Diese Prognose gaben die Veranstalter bei der Abschlusspressekonferenz am Sonntagmittag ab. Bei bestem Kirmeswetter füllten am letzten Kirmestag schon vor der Öffnung der Buden und Fahrgeschäfte Besucherscharen den Kirmesplatz am Rhein-Herne-Kanal, bis zum Abend erwarteten die Organisatoren noch einmal ca. 450.000 Gäste. Veranstalter, Schausteller und Vertreter von Polizei, Feuerwehr und DRK zogen gestern eine positive Bilanz des größten Volksfestes in Nordrhein-Westfalen: „Wir hatten eine friedliche und schöne Kirmes mit einer gelösten und sehr lockeren Stimmung“, freute sich Hernes Stadtrat und Kirmesdezernent Johannes Chudziak.

Alle reden vom Wetter – und die Verantwortlichen der 583. Cranger Kirmes ganz besonders. Denn vor allem der Dienstag (7. August) wird als einer der heißesten Kirmestage in die Geschichte des Volksfestes eingehen. Auf dem Festplatz wurden Spitzenwerte bis zu 37 Grad gemessen, der Besuch an diesem Tag war daher auch der schwächste der elf Kirmestage. „Über alle Tage gesehen sind die Besucher aber nicht weggeblieben, sondern erst später gekommen“, so Chudziak. Ab Mittwoch kühlte es merklich ab, am Donnerstag sorgten einige kleine Böen für „Windpausen“ am Höhen-Kettenkarussell „Jules Verne-Tower“ und am Riesenrad „Bellevue“, ehe ab Freitag und vor allem am letzten Wochenende „allerbestes Kirmeswetter“ herrschte. Der letzte Kirmessamstag war mit ca. einer halben Million Besucher der stärkste Tag. Hier kam es in den Abendstunden an zwei neuralgischen Punkten auf dem Festplatz auch zeitweise zu einer „gefühlten Enge“. Kirmes-Chef Werner Friedhoff: „Hier wurden von der Polizei sowie meinen Mitarbeitern kurzfristig Menschenketten gebildet, um für einen Rechts-Links-Verkehr zu sorgen. Das lief alles sehr diszipliniert ab, es gab keine Unruhe und vor allem keine akute Gefährdung.“

„Hangover“ und „Laser-Pix“ gewinnen, Kinderfahrgeschäfte verlieren

Gewinner bei den Fahrgeschäften war in diesem Jahr ein Klassiker: Der „Hangover“, ein Free-Fall-Tower von ca. 85 Metern Höhe, war nach ersten Erkenntnissen sehr stark frequentiert. Von den fünf Neuheiten war die interaktive Bahn „Laser-Pix“ im Videospieldesign der 1990er Jahre der absolute Renner: „Er brachte die Nerds auf den Platz zurück“, schmunzelte Werner Friedhoff.

Wo es Gewinner gibt, gibt es aber auch Verlierer. „Das waren leider meine Kollegen mit den Kinderfahrgeschäften“, bilanziert Schausteller-Chef Albert Ritter, „denn bei 38 Grad in der Spitze kamen weniger Familien als sonst nach Crange“. Ritter sprach gestern von einem „großen, friedlichen Volksfest“, auf dem sich „wir Schausteller dank des großen Miteinanders zwischen allen Verantwortlichen immer sehr, sehr wohlfühlen.“ Er bedankte sich auch noch einmal ausdrücklich bei allen Anwohnern, dass „wir hier für einen Monat in den Stadtteil Crange regelrecht einfallen dürfen“.

Absage der Feuerwerke war historisch

Für die „Sonnenkirmes Crange“ wurden von den Schaustellern während der Hitzetage kreative Lösungen entwickelt. So gab es Duschen auf dem Platz oder den Crange-Sommerhut. Keine Lösung gab es für die beiden traditionellen Höhenfeuerwerke am ersten Kirmesfreitag sowie am Abschlusstag. Beide mussten aufgrund des erhöhten Brandrisikos abgesagt werden. Johannes Chudziak: „Das ist schon ein historisches Ereignis. Ob es im nächsten Jahr dafür mehr Feuerwerke geben wird, werden wir in Ruhe diskutieren.“

Kreislaufproblem und Wespen sorgten für viel Arbeit beim DRK
Polizei und Feuerwehr legten gestern ihre Einsatzzahlen vor und sprachen von einer „relativ ruhigen Kirmes“. Roland Schwarz, Leiter der Kirmeswache: „Bis Sonntagmorgen um acht Uhr hatten wir 491 Einsätze und damit ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Es gab keine Auffälligkeiten und vor allem keine größeren Schlägereien.“ Die Feuerwehr meldete höhere Einsatzzahlen als im Durchschnitt der letzten Jahre, was aber, so Ralf Radloff von der Herner Berufsfeuerwehr, „nur den Temperaturen geschuldet ist. Wir mussten viele Personen mit Kreislaufversagen versorgen.“ Eine Tatsache, die Thomas Jarolim, Einsatzleiter des DRK, noch unterfütterte: „Das war für uns schon eine ganz besondere Kirmes. Unsere Einsätze haben sich fast verdoppelt.“ Waren es bis Sonntagmorgen knapp über 900, erwartete er bis zum Kirmesende „über 1.000, ansonsten lagen wir im Durchschnitt bei ca. 550“. Der Grund: Kreislaufprobleme an den Hitzetagen und Wespenstiche, die „in wenigen Fällen sogar zu echten Notfällen führten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten“.

Rekorde bei Crange-Erlebnissen und Crangepässen

Die Nachfrage nach den exklusiven „Crange-Erlebnisse“ war noch stärker als in den Vorjahren. Von den über 350 Buchungen kamen 55 Prozent der Teilnehmer aus Herne, 35 Prozent aus dem übrigen Ruhrgebiet und zehn Prozent von außerhalb. Insbesondere bei den Führungen konnten mehr Buchungen verzeichnet werden – drei Gruppenbuchungen trugen dazu bei; stark waren die Kompaktführungen „So geht Kirmes“, die im vergangenen Jahr neu eingeführt wurden. Neue Formate sind bereits in Planung, etwa eine größere Schiffstour, ein neues Angebot mit dem Schwerpunkt auf Fahrgeschäften und neue kulinarische Genüsse im Riesenrad. Auch die Crangetaler bleiben ein Erfolgsmodell. Die 15.000 Schlemmerpässe waren in nur eineinhalb Tagen ausverkauft. Bei den Fahrpässen gingen insgesamt mehr als 13.200 Hefte über die Theke – ein Höchststand. Die neue Onlinevergabe und die Reduzierung der Abgabemenge pro Person kamen insgesamt gut an. Die Stadtmarketing Herne GmbH nimmt die konstruktive Kritik auf uns passt das System im nächsten Jahr den Wünschen der Kunden an. „Für das nächste Jahr sind eine zusätzliche Verkaufsstelle in Nähe des Kirmesplatzes und außerdem eine Erweiterung der Öffnungszeiten am ersten Verkaufstag geplant“ so Alexander Christian, Pressesprecher der Stadtmarketing Herne GmbH.

Die Cranger Kirmes 2019 dauert vom 1. bis zum 11. August. Die Karussells drehen sich am ersten Tag voraussichtlich wieder ab 16 Uhr, die offizielle Eröffnung ist für Freitag, 2. August, geplant.

Cranger Kirmes 2018 – 3,9 Mio. Besuche
Cranger Kirmes 2018 – Dusche auf der Sonnenkirmes Crange