Am Anfang war das Pferd
Vom Pferdemarkt bis zum größten Volksfest in Nordrhein-Westfalen
Die Ursprünge der Cranger Kirmes reichen zurück bis ins 15. Jahrhundert, als der Ritter Derrick von Eickel mit dem Haus Crange belehnt wurde. Zeitlicher Ankerpunkt ist das Jahr 1484, in dem die Freiheit Crange mit impliziertem Marktrecht erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Dieses Jahr bildet das symbolische Ausgangsdatum für die Zählung. Seither wurde in Crange regelmäßig am Laurentiustag, 10. August, ein Pferdemarkt veranstaltet, auf dem mit den heimischen Emscherbrücher Wildpferden gehandelt wurde. Auch wenn die genaue Geburtsstunde der Cranger Kirmes bis heute nicht bekannt ist, ist klar, dass die Anfänge – gemessen an den heutigen Verhältnissen – eher bescheiden waren.
Erst im Laufe der Zeit gesellten sich zu den Pferdehändlern auch Gaukler, Tänzer, Taschenspieler, Wahrsager und allerhand Schausteller und Kirmesleute, welche die Besucher mit Kurzweil unterhielten. Während das letzte Wildpferd aus dem Emscherbruch bereits vor gut 150 Jahren in Crange verkauft wurde, nahm die Bedeutung des Volksfestes, das mittlerweile aus dem Pferdemarkt hervorgegangen war, stetig zu. Im Jahr 2026 schmückt die Jahreszahl 542 das Cranger Tor. Zum Vergleich: Der Ursprung des Oktoberfestes, der größten Volksfestes in Deutschland, liegt im Jahre 1810.

Auf dem historischen Pferdemarkt wurde mit Emscherbrücher Dickköpfen gehandelt (Foto: Stadtarchiv Herne).

Reitsportliches Programm führen auf dem Cranger-Kirmes-Pferdemarkt auch schon die Kinder vor (Foto: Ingo Thran).
1484 ging der Spaß wohl los
Das Jahr 1484, in dem die Freiheit Crange mit impliziertem Marktrecht erstmalig urkundlich erwähnt worden sei, ist das symbolische Ausgangsdatum der Cranger Kirmes. Dies entschied im Jahr 2019 der Ältestenrat der Stadt Herne.
Vorausgegangen war eine Diskussion über die Zählweise, denn diese ging auf das Jahr 1935 zurück. Damals wollten die Nationalsozialisten die nach ihrer Zählweise 500. Cranger Kirmes feiern – als Massenveranstaltung ohne jegliche historische Grundlage. Diese wurde dann mit dem Jahr 1484 gelegt – der neue Ankerpunkt für die Cranger Kirmes. Im Jahr 2024 wird zum Beispiel die 540. Cranger Kirmes gefeiert.
Die jeweils aktuelle Kirmeszahl wird in jedem Jahr kurz vor dem Kirmesauftakt am Cranger Tor, einem der Eingänge zum Festplatz, montiert.

Das Cranger Tor ist einer der Eingänge zum Festplatz – dort ist auch die jeweils aktuelle Kirmeszahl zu sehen (Foto: Isabel Diekmann, 2025).

Historisches Panorama mit Kettenkarussell auf der Cranger Kirmes (Foto: Stadtarchiv Herne).
Kirmes ist Kulturgut
Die Cranger Kirmes ist ein lebendiges Beispiel für das reiche immaterielle Kulturerbe des Ruhrgebiets. Als Volksfest Nr. 1 in NRW zeichnet sie sich durch Kontinuität und Anpassungsfähigkeit aus. Trotz moderner Einflüsse hat Crange viele traditionelle Elemente bewahrt. Dazu gehören die Erinnerung an den historischen Pferdemarkt, den Kohlebergbau sowie traditionelle Schaustellerfamilien, die schon seit Generationen Teil der Kirmes sind.
Diese Verbindung von Tradition und Moderne macht die Einzigartigkeit und Attraktivität der Cranger Kirmes aus. Sie ist von großer Bedeutung für die Kulturlandschaft, funktioniert als soziales Bindeglied und schafft einen Raum, in dem Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Hintergründe zusammenkommen. Familien, Freunde und Nachbarn treffen sich hier, um gemeinsam zu feiern und Erinnerungen zu teilen. Die Kirmes stärkt somit das Gemeinschaftsgefühl und fördert den interkulturellen Austausch.

War Elvis auch auf der Kirmes in Crange? Nein, aber in den 1960er Jahren posierten die „Halbstarken“ gerne im Karussell (Foto: Stadtarchiv Herne).




